Roli Frei – Ein Singer-Songwriter ist zurück
„Strong“ heisst die neue Platte, die Roli Frei & The Soulful Desert am Samstag, 22. Mai 2010, dem Publikum in der vollen Querfeld-Halle in Basel präsentierte. Strong zeigte sich auch Roli Frei im Gespräch mit Agentin Janne kurz vor dem Konzert. Offen sprach er über seine nicht immer einfache Vergangenheit, über die Liebe zur Musik und darüber, was ihm die „Friends of Roli Frei“ bedeuten.
In diesem Moment würde ich sagen: nichts. Ich bin jedoch auch aus tiefstem Herzen Familienvater, habe erwachsene Söhne, einen elfjährigen Enkel – das alles ist für mich sehr wichtig. Und schon meine Frau hat gewusst, dass es eine Verbindung mit mir nur in Verbindung mit Musik gibt.
Ich habe mich in meinem Leben oft versplittert. Aus finanziellen Gründen unterrichtete ich an einer Schule, machte das auch gerne, aber eigentlich wollte ich einfach nur Musiker sein. Nun habe ich eine depressive Zeit hinter mir – ich hatte einen totalen „breakdown“. Ohne die „Friends of Roli Frei“ hätte ich das alles nicht geschafft. Dank den „Friends“ habe ich nun eine CD, zu der ich voll und ganz stehe. Weiterhin spiele ich gerne in Quartierzentren und speziellen Beizen auf Kollekte und habe am Ende des Abends eine gute Gage, weil Leute kommen, die meine Musik wahnsinnig schätzen. Auch heute Abend spiele ich ja an einem Ort, der eigentlich nicht „der Konzertort“ in Basel ist. Aber ich habe keine Bedenken, denn es haben sich schon mehr als 200 Leute für die „Friends“ angemeldet und ich werde von so vielen Seiten getragen. So zum Beispiel mein Produzent Pascal Biedermann, der eigentlich bei der „Konkurrenz“ spielt und mich aufgefordert hat: „Frei, du musst auf die Bühne und ich helfe dir dabei“. Das ist ein Geschenk nach dem anderen.
1959 brachten meine Eltern aus Paris eine Schallplatte von Mahalia Jackson und The Golden Gate Quartet mit nach Hause. Ich hörte die Platte und begann mitzusingen. Ich fuhr total darauf ab. Heute noch habe ich auf meiner CD Gospel, Spiritual und Blues. Sozusagen war Mahalia Jackson meine Lehrmeisterin. Später kamen dann Aretha Franklin und Wilson Pickett hinzu. Die Intensität dieser Musik berührte mich, ich spürte diese Urkraft schon als Kind. Und dann wollte ich ja eigentlich Joe Cocker werden, aber weil ich nie rauchte oder trank, war das etwas schwierig...
Auf der Bühne geht meine Stimme auf, egal ob ich nun wütend, verletzt, halb krank, mit Heuschnupfen, fröhlich oder glücklich bin. Da kommt es nicht auf das Publikum an. In einem egoistischen Sinne mache ich auf der Bühne genau das, was ich will. So kann ich auch meine Ressourcen behalten. Am nächsten Tag bin ich aber manchmal völlig erledigt.
Nicht wegen dem Auftreten. Höchstens wegen der Gitarre. Ich bin ja kein Gitarrist sondern Autodidakt, kann kaum Noten lesen und auch das Gitarrespielen habe ich mir selber beigebracht. Es gibt zwar schon Gitarristen, die sagen, ich spiele super, aber es macht mich trotzdem jeweils nervös, alleine Gitarre zu spielen.
Ja. Obwohl das für mich eigentlich immer ein Fremdwort war. Aber jetzt bin ich schon stolz. Und vielleicht auch etwas demütig all den Leuten gegenüber, die mir bei dieser Produktion geholfen haben.
Ich bin ja schon lange Singer-Songwriter und habe trotzdem nicht so viele Songs geschrieben. Ich arbeite jeweils an einer CD und muss die zu Ende bringen, damit ich wieder leer bin. Das ist alles sehr intuitiv. Ich habe ein paar Geschichten, die ich mal beobachtet und aufgeschrieben habe und bei denen ich dachte, das wär vielleicht mal was. Aber dann lege ich die Texte wieder weg und nehme sie meist erst viel später wieder hervor. Bei „stranger in my house“ war es so, dass ich im Probelokal war und dieses Riff spielte. Und da war der Text eigentlich schon da, ohne gross etwas zu überlegen. I´m a stranger in my own house, well known, best loved, but somehow alone. I´m a stranger in my heart, in my job, in my body... Dort ist es mir einfach genau so gegangen. Ich habe aber auch begonnen, Leute wegen Texten zu fragen. Auf dem neuen Album sind zum Beispiel zwei Songs von Nadja Leonti. Die Melodien entstehen aus der Improvisation...
Es geht zum Beispiel so weiter, dass wir im Sommer auf dem Floss spielen. Und dann sind da zwei bis drei sehr prägnante Sachen im Tun, in die ich grosse Hoffnung setze. Ich war jetzt schon bei DRS 1, es folgt noch DRS 3 und dann hoffe ich, dass da noch mehr als der eine oder andere Zeitungsbericht hinzu kommt, damit die Leute mitbekommen: „Wow, der ist wieder da, das interessiert mich.“ Nur so kann ich dann auch in gut besuchten Clubs spielen. Aber grundsätzlich sage ich immer, wenn es kommt, ist es toll, wenn nicht, dann halte ich das auch aus.
Lieber Roli, herzlichen Dank für das sympathische, offene Gespräch, alles Gute für Deine Zukunft und viel Erfolg mit Deiner Musik!
Interview: Agentin Janne
http://www.friendsofrolifrei.ch/
www.myspace.com/rolifreisoulfuldesert